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Erfahrungen

Erfahrungsbericht von Hans K.
15.11.2002
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Meine Erfahrungen mit der XV 1600 A während 41.000 KM in 41 Monaten

Traum, Trauma oder Ärgernis ?

Die Entscheidung mir eine XV 1600 A zu kaufen, verdanke ich meiner Frau und Harley – Davidson.

Als Wiedereinsteiger mit sehr kurzen Beinen, habe ich zwei Jahre lang alle möglichen Motorräder aus dem Cruiser Segment Probe gefahren. Wohlgefühlt in bezug auf das Fahrverhalten habe ich mich zum ersten Mal auf einer geliehenen Harley Softtail, leider lies mich diese dann auch prompt im Stich, Elektrikprobleme.

Die mir vom Verleiher zur Verfügung gestellte Fat – Boy lief allerdings auch nur 200 KM problemlos, um mich dann mit E.- Problemen zu überraschen; keine Chance weiterzukommen ENDE !.

Da ich nun alle zu der Zeit am Markt befindlichen Maschinen dieser Kategorie getestet hatte und die, die mir gefielen mich augenscheinlich nicht haben wollten und dieses dadurch unterstrichen wurde, dass mein Nachbar einige Wochen nach mir mit einer geliehenen Harley auch nur ca. 150 KM fahren konnte, um dann mit E- Problemen (geplatzte Baterie ) liegen zu bleiben, gab ich das Projekt eigenes MOTORRAD auf.

Dann kam der Winterurlaub 1998 / 1999 in dem mir meine Frau erstmalig und völlig überraschend die österreichische Dezemberausgabe der Zeitschrift MOTORRAD mitbrachte. Mit dem Kommentar „ ich glaube, dass könnte Dich interessieren„ zeigte sie mir den ersten Erfahrungsbericht zur Markteinführung der XV 1600 A von Yamaha. Nun war mein Interesse geweckt, denn die Yamaha hatte augenscheinlich alles was mir an der Harley gefiel, und da ich, zu diesem Zeitpunkt noch uneingeschrenktes Vertrauen in die technische Zuverlässigkeit japanischer Motorräder hatte.......

Also rief ich, kaum wieder zu Hause angekommen, in Löhne bei Yamaha Deutschland an,  um mich zu erkundigen, ob und ab wann ich eine Maschine dieses Typs Probe fahren könne.

Mir wurde für den März ein Termin bei der Yamaha Niederlassung Weyhe in Löhne zugesichert. Es war ein schöner, wenn auch kalter Märztag. Ich fuhr die von mir für alle Probefahrten bereits gut bekannte Strecke und war überzeugt. Es war nur noch die Farbe die mich zögern ließ. Ein Händler in Gütersloh sollte laut Hr. Weyhe noch eine in grün bekommen, die habe ich sofort geordert. Am 01.04.1999 holte ich meine Maschine in Gütersloh ab. Mein erster Fahreindruck war etwas getrübt, denn ich hatte das Gefühl das dieses Motorrad nicht so fuhr wie dass, welches ich vor nur 2 Wochen Probegefahren hatte, aber ich war GLÜCKLICH und fuhr trotz eines beruflich mörderischen anstrengenden Jahres fast jede freie Minute.
Nach ca. 5000 gefahrenen KM begannen die kleinen Reibereien zwischen meinem heißgeliebten Motorrad meinem Händler und mir, die bald zur „lieben„ Gewohnheit wurden.

Es begann alles recht harmlos damit, dass ich nach Strecken von ca. 4 – 5 KM unter gleichmäßiger Motordrehzahl im Landstraßentempo kaum noch durch Städte fahren konnte, da jedes Mal wenn ich Gas herausnahm, langsam oder ruckartig oder nur nach Belastung die Kupplung zog, ein laut zu vernehmendes PIF – PAF zu hören war, welches der Händler trotz mehrmaliger Ansprache nicht in den Griff bekam.

Als ich dann unser Verhältnis etwas formaler gestaltete, wurde die Ursache sehr schnell gefunden. Es war angeblich ein Ventil in der Abgasrückführung , das diese kleine akustische Einlage verursachte.

Dann, nach mittlerweile 12.000 gefahrene KM kam die erste Wintereinlagerung, von Januar bis März,  länger hatte ich es nicht ohne mein geliebtes Motorrad ausgehalten. Als ich es nun wieder säuberte um die ersten KM zu fahren, musste ich erschreckt feststellen, dass obwohl es in einer geheizten Garage unter einer Staubhaube gestanden hatte, alle Schweißnähte der Auspuffanlage verrostet und mein Tacho von innen beschlagen war.

Dieses Mal waren die Fehler eindeutig und wurden ohne Verzug beseitigt. Meine Motorradwelt war wieder in Ordnung.

Jetzt machte ich mit Freunden eine Fahrt zur Saisoneröffnung in die Rhön. Das Hotel Sturm in Mellrichstadt hatte ein hervorragendes Wochenende organisiert an dem wir viele KM auf schönsten Straßen zurücklegten. Nur ich hatte in engen, bergabgefahrenen Kurven keine rechte Freude, denn das Gefühl, dass etwas mit den Reifen nicht stimmt, ließ mich nicht los, es war die Ahnung die mich auf den aller ersten Kilometern mit meinem neuen Motorrad schon einmal überkam. Aber damals glaubte ich, dass ich Anfänger sei, redete mir etwas ein und so weiter aber das Gefühl blieb. Die Reifen, obwohl schon 13.000 KM im Einsatz, sahen eigentlich noch sehr gut aus.

Beim nächsten Zwischenstopp kontrollierten einige alte Hasen für mich nochmals die Reifen, und bemerkten, dass im Vorderreifen einige feine Risse im Profil zu sehen waren. Nicht groß aber sehr deutlich. Das Urteil der Oldtimer war eindeutig, alle waren sich einig, die vom Hersteller montierten Reifen der Marke Bridgestone seien für dieses schwere Motorrad nur bedingt geeignet, ich solle es mit Dunlop versuchen. Was ich direkt nach diesem Kurzurlaub auch in die Tat umsetzte und siehe, sie wurden bestätigt. Jetzt fuhr meine Maschine wie auf Schienen und ich war kurzfristig wieder im siebten Himmel ( übrigens wir waren das Wochenende zum 01.04.01 wieder in der Rhön: super Wetter und super Eckenflitzen, dank Dunlop, halten leider nur 6.000 KM).

Dann kam der Sommer und Südfrankreich. Obwohl es ordentlich warm war, lief mein Motorrad während der ersten Kilometer mit Choke so unruhig und ruppig, dass ich nicht sehr fröhlich war, aber es war Urlaub und der Himmel so weit und was sind 10 Min, bei täglichen 4 – 5 Stunden im Sattel an der Cote und im Zentralmassiv.

Nach meiner Rückkehr konnte ich erst nicht fahren und als es endlich wieder losging war der Winter schon da. Mein Kaltlaufproblem wurden immer schlimmer, als auch der 4. Werkstatt- aufenthalt nichts ergab und Stadtfahrten fast unmöglich wurden, reagierte ich wieder sehr formell und setzte mich zusätzlich mit Yamaha Deutschland in Verbindung, was zu einer gründlichen Überprüfung des Motors bei meinem Händler mit Unterstützung durch einen Werksmonteur führte. Diagnose: der Brennraum wird nicht heiß genug, da ein oder mehrere Ventile nicht sauber schließen die Ventilschäfte am Außlassventil waren verrußt. Dann wird mir in einem Nebensatz mitgeteilt, dass auch die Auspuffaufhängung gewechselt wurde, da eine Rückrufaktion von Yamaha liefe und ich hätte ja wahrscheinlich schon Bescheid bekommen. Nein hatte ich nicht aber, 3 Wochen und ca. 2000 km später erreichte mich  ein Schreiben von Yamaha, indem ich dringlich aufgefordert wurde das Motorrad nur noch in die Werkstatt zu fahren, da ein gefährlicher Mangel an meiner Auspuffaufhängung seien könne welcher eine Gefahr für die Fahrsicherheit sei. Ich finde so etwas ironisch. Einbau neuer Ventile, Motor läuft aber er nagelt elendig wie es weitergeht? Werde ich sehen.

Nachtrag Oktober 2002
Das Nageln hatten wir nachweiteren 2 Aufenthalten in der Werkstatt und einem Händlerwechsel beseitigt. Habe Dann einen Charger von Böning Montieren lassen um das ewige verölen des Luftfilters ( ca. alle 4000 Km zu erneuern ) kostengünstiger zu gestalten und , ich gestehe, die Optik zu verbessern.

Irgend etwas muss ich anders machen als andere Wild Star Fahrer, denn immer wenn ich aus Zeitgründen eine Autobahnstrecke von mehr als 400 Km fuhr, riss die fordere Halteschraube direkt am Zylinderkopf ab oder gleich beide oberen Schrauben. Insgesamt wurde dieses Spiel vier mal wiederholt, unglaublich lästig, da ich immer wieder in die Werkstatt gefahren bin und keine längeren Strecken mehr in Angriff genommen habe. Jetzt sind Silend Blöcke angebracht worden ( wieso erst jetzt ) ich will einmal sehen wie es weitergeht.

Da ich bereits 41.000 KM gefahren habe werden sich vielleicht einige fragen warum tut sich der Depp das alles an, wenn er augenscheinlich nicht zufrieden ist ?
Er ist halt unsterblich verliebt in sein Baby und wer gibt sein Baby ab nur weil es in die Windeln macht.

Übrigens habe ich nicht alle Garantieschäden aufgeführt, aber kurzumrissen Außer der Vordergabel, Rahmen, Tank und Lenker ist alles wirklich alles  während 35 Werkstattaufenthalten von Yamaha erneuert worden, Inklusive 3X Hinterrad wegen Lagerschäden.

Hoffentlich hat euch das Lesen besser gefallen, als mir meine Werkstattaufenthalte.

Noch etwas versöhnliches zum Schluss. Ich bin nie liegengeblieben - wie mit den Eisenhaufen aus USA.

Mit freundlichem Gruß

Hans K.


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